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Die EFSA hat am 16. Oktober 2026 eine Leitlinie zur Sicherheitsbewertung anderer Bisphenole und ihrer Derivate in Lebensmittelkontaktmaterialien veröffentlicht. Sie beschreibt wissenschaftliche Datenanforderungen und ergänzt die bestehende FCM Note for Guidance. Für die Materialauswahl bedeutet das: Eine BPA-frei-Angabe allein beantwortet die Frage nach der Sicherheit eines Ersatzstoffs nicht.
Was hat sich geändert?
Die Leitlinie bezieht auch Bisphenole ein, die nicht als gefährlich eingestuft sind, um problematische Ersatzlösungen zu vermeiden. Neben Genotoxizität betrachtet sie Immuntoxizität, Entwicklungs- und Reproduktionstoxizität, metabolische Wirkungen und die Verarbeitung der Stoffe im Körper. Schon bei Migration unter 0,05 mg/kg Lebensmittel sieht der Bewertungsansatz zusätzliche Daten vor. Diese Angabe ist eine Schwelle der Datenanforderungen und kein allgemeiner zulässiger Migrationsgrenzwert. [1]
Für wen ist das relevant?
Relevant ist die Leitlinie für Hersteller und Verwender von Beschichtungen, Harzen, Kunststoffen sowie weiteren betroffenen Kontaktmaterialien. Besonders sinnvoll ist eine Sichtung, wenn ein Materialwechsel mit BPA-frei beworben wird oder die chemische Identität des Ersatzsystems in den Lieferantenunterlagen unklar bleibt.
Was bedeutet das in der Praxis?
Beginnen Sie bei einem Materialwechsel mit der genauen Zuordnung: Artikel, Schichtaufbau, Hersteller, Stoffidentität und vorgesehener Lebensmittelkontakt. Fragen Sie nach, ob andere Bisphenole oder Derivate eingesetzt werden und worauf die Aussage des Lieferanten beruht.
Prüfen Sie anschließend, ob die Migrationsdaten zu Lebensmittelart, Temperatur, Kontaktzeit und gegebenenfalls wiederholter Verwendung passen. Eine allgemeine Aussage zum Basispolymer ist für eine konkrete Beschichtung oder einen mehrschichtigen Artikel häufig nicht ausreichend.
Die fachliche Empfehlung lautet, vorhandene Daten zunächst nachvollziehbar bewerten zu lassen. Eine eigene toxikologische Komplettprüfung durch jeden Lebensmittelbetrieb lässt sich aus dieser Veröffentlichung nicht ableiten. Wer ein Zulassungsdossier erstellt, benötigt eine gesonderte, anwendungsbezogene Planung.
Risiken und typische Nachweislücken
Typische Lücken sind fehlende Stoffkennungen, unklare Materialversionen und Prüfungen unter nicht passenden Einsatzbedingungen. Auch ein Befund unterhalb einer analytischen Nachweisgrenze beantwortet nur die Frage, welche Stoffe das gewählte Verfahren erfassen konnte. Ein nicht beschriebener Ersatzstoff wird durch eine BPA-Negativbestätigung nicht bewertet.
Priorisierte Maßnahmen
- B – Einkauf und QM: Vor der nächsten Freigabe eines betroffenen Materialwechsels Stoffidentität und Einsatzprofil mit dem Lieferanten klären.
- B – QM mit Materialhersteller oder Fachlabor: Vorliegende Migrations- und Bewertungsunterlagen auf Anwendungsbezug und Datenlücken prüfen; offene Punkte mit Termin und Verantwortlichem führen.
- C – Schulungsverantwortliche: Bei der nächsten FCM-Schulung die Unterscheidung zwischen Stoffaustausch, Sicherheitsbewertung und rechtlicher Zulässigkeit behandeln.
- D – Dokumentenverantwortliche: Eine kompakte Materialwechselakte mit Vorgänger, Ersatzsystem, Nachweisen und Freigabebegründung einführen.
A = zwingend oder fristgebunden; B = erforderlich zur wesentlichen Risikosenkung; C = fachlich empfehlenswert; D = optional. Aus der hier vorgestellten Veröffentlichung wird keine neue Maßnahme der Priorität A abgeleitet.
Primärquellen und Downloads
- [1] EFSA FCM Panel: Guidance on the data requirements for the safety assessment of bisphenols other than Bisphenol A (BPA) and their derivatives, 2026-10-16.
- [2] EFSA: Food contact materials, 2026-10-16.
Sachstand und Aussagegrenzen
Sachstand: 16. Oktober 2026. Die Leitlinie ersetzt keine anwendungsbezogene Konformitätsbewertung. Verbote, Ausnahmen und Übergangsregeln werden in diesem Beitrag nicht im Einzelnen bewertet. Die Zulässigkeit eines bestimmten Materials oder Ersatzstoffs ist ohne vollständige Produkt- und Rechtsprüfung nicht verifizierbar.
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